Wenn's knirscht und knackt

Bildquelle: bild.de
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Es klingt manchmal als würden Zweige brechen

Wenn Menschen in die Knie gehen, sei es beim Sport, Einkaufen oder Putzen, machen sich bei einigen die Gelenke laut bemerkbar. Ein Grund zur Sorge ist das aber nicht, wenn es bei den Geräuschen bleibt: "Ein Reiben, Knirschen oder Knacken ohne Schmerzen ist in der Regel völlig unbedenklich und muss nicht behandelt werden", sagt Prof. Thorsten Gehrke, Chefarzt und Ärztlicher Direktor der Abteilung für Gelenkchirurgie an der Helios Endo-Klinik Hamburg.

Wenn das Knacken und Knirschen in Hüfte, Knie oder Füssen allerdings regelmässig Beschwerden verursache, könne dies auf einen Gelenkverschleiss hindeuten, sagt der Orthopäde. Mit der Zeit komme ein weiteres Symptom hinzu: Weil sich die Muskulatur um das angegriffene Gelenk verkürze, um Überlastungen und damit weitere Schäden zu verhindern, nehme die Beweglichkeit des Gelenkes ab, erläutert Gehrke. "Betroffene mit Hüftproblemen merken das etwa daran, dass es ihnen schwerfällt, die Schuhe zuzubinden."

 

Ebenfalls typisch für Gelenkverschleiss an Hüfte, Knie und Sprunggelenken ist der sogenannte Anlaufschmerz. "Wenn man lange gesessen hat und dann aufsteht, sind die ersten Schritte beschwerlich", sagt Gehrke. Ein weiteres Symptom: Insbesondere nach grösseren Belastungen entstehen um lädierte Knie- und Sprunggelenke deutlich sichtbare Schwellungen; nur an der Hüfte sieht man solche Schwellungen nicht, weil das Gelenk zu tief im Gewebe liegt.

Arthrose

Bildquelle: schmerz-im-nacken.de
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Verschleiss an Gelenken ist nichts anderes als eine Knorpelerkrankung. Knorpel bildet die Schutzschicht unserer Gelenke. Bei Verschleiss wird er abgerieben – Ärzte sprechen dann von einer Arthrose.

"Wenn es zu Knorpelabrieb kommt, sind es nicht der Knochen oder der Knorpel, die schmerzen, denn sie haben keine Nerven. Was wehtut, ist die Gelenkschleimhaut", erläutert Gehrke. Die Schmerzen entstehen, weil die winzigen abgeriebenen Knorpelpartikel die Gelenkschleimhaut irritieren. Sie schwillt dann an und produziert vermehrt Gelenkflüssigkeit.

Aufhalten oder gar heilen lässt sich Arthrose bisher nicht, denn Knorpel kann sich nicht regenerieren – im Gegensatz zu Knochen, die sich ein Leben lang erneuern können, eine ausreichende Vitamin D-Zufuhr vorausgesetzt. Das Fortschreiten der Arthrose lasse sich aber verlangsamen, sagt Gehrke. "Sehr wichtig ist es, Übergewicht und damit hohen Druck auf die Gelenke zu verhindern. Wer zu viel wiegt, sollte seine Ernährung entsprechen umstellen."

Vitamin D könnte helfen

Dass man Knorpel durch bestimmte Nahrungsstoffe wieder aufbauen könne, sei ein Märchen, sagt der Orthopäde. Möglicherweise helfe Vitamin E ein wenig. Es könne dazu beitragen, die bei entzündlichen Prozessen wie Arthrose entstehenden schädlichen Stoffe – sogenannte freie Radikale – abzufangen. Nachgewiesen sei das aber nicht.

Das Gleiche gelte für Hyaluron, einen Stoff, der im Knorpel natürlicherweise vorkommt. Etliche Orthopäden bieten an, Hyaluron bei Arthrose in den Knien in das Gelenk zu spritzen. Abgesehen von der Infektionsgefahr, die gering sei, aber nicht auszuschliessen, sei wissenschaftlich nicht nachgewiesen, dass Hyaluron das Fortschreiten der Arthrose, insbesondere in den fortgeschrittenen Stadien, verhindern könne, sagt Gehrke. "Manche diskutieren, dass es womöglich in einem sehr frühen Stadium etwas bringen könnte. Es berichten auch immer wieder Patienten, dass Hyaluron ihnen hilft – wissenschaftliche Studien bestätigen einen positiven Effekt aber nicht."

Apropos positiver Effekt: "Ganz wichtig ist, seine Muskulatur in Schuss zu halten", rät Gehrke. "Denn nur eine gut entwickelte und funktionierende Muskulatur kann ein Gelenk entlasten." Am besten erreichen lasse sich das durch Training unter fachlicher Anleitung oder eine Physiotherapie, und durch Sport. "Gut geeignet sind etwa Schwimmen, Radfahren und Nordic Walking – prinzipiell alle Sportarten, bei denen Sprung- und Stauchbelastungen vermieden werden."

Quelle: www.abendblatt.de